Krankheitsursache

Beim Morbus Perthes handelt es sich um ein Erkrankung des kindlichen Hüftkopfes. Sie ist gekennzeichnet von einem Absterben (Nekrose) der Epiphyse und einem allmählichem Wiederaufbau.   Die Epiphyse ist der Teil des Kopfes, der oberhalb der Wachstumsfuge liegt, und den Hauptdruckkräften im Hüftgelenk ausgesetzt ist. Bei ungünstigem Verlauf der Erkrankung kommt es zu einer Abflachung der Epiphyse mit Verbreiterung des Kopfes, so dass ein vorzeitiges Hüftverschleißleiden im 4. bis 5. Lebensjahrzehnt droht.

Auf dieser Röntgenaufnahme des Beckens erkennt man einen normal ausgebildeten rechten Hüftkopf (von Betrachter aus gesehen in der linken Bildhälfte). Beim linken Hüftkopf ist die Epiphyse deutlich abgeflacht, unregelmäßig verdichtet und wellig konturiert. Man spricht von einer Nekrose (d.h. Absterben) der Epiphyse. Es handelt sich um einen Morbus Perthes des linken Hüftkopfes.

Die Krankheit wurde um das Jahr 1910 von Arthur Legg aus Boston, USA, dem Franzosen Jacques Calvé und Georg Perthes aus Tübingen erstmals beschrieben. Der Beginn der Nekrose dürfte mit einer Störung der Blutzufuhr zur Epiphyse zusammen hängen, wobei die Ursache bis heute nicht geklärt werden konnte. In letzter Zeit wurden Störungen im Gerinnungssystem bei Perthes-Erkrankten vermutet (z.B. eine Thrombophilie und Hypofibrinolyse). Oft wird in der Vorgeschichte ein Sturz oder eine sonstige banale Verletzung erwähnt. Auch eine verzögerte Knochenreifung bei kleiner Körpergröße sollen typisch sein.

Der Morbus Perthes betrifft vier- bis fünfmal häufiger Jungen als Mädchen und tritt in ca. 20% der Fälle beidseits auf.

Die Erkrankung kommt  zwischen dem 2. und 12. Lebensjahr vor, mit einer Häufung zwischen 5 und 7 Jahren.  Die meisten Kinder klagen über leichte bis mittelstarke Schmerzen im Bereich des vorderen Oberschenkels, die auch bis zum  Knie ausstrahlen können. Manchmal besteht das erste Anzeichen in einem leichten Hinken. Im weiteren Verlauf treten Bewegungseinschränkungen im betroffenen Hüftgelenk auf. Besonders das  Abspreizen und die Innenrotation des Beines sind eingeschränkt.  Der Oberschenkel der betroffenen Seite kann etwas dünner als auf der Gegenseite werden, weil die Muskulatur weniger beansprucht wird  (Muskelatrophie).

Röntgenaufnahmen sollten als  sog. Beckenübersicht und Lauenstein-Projektion (sog. Froschposition, d.h. in leichter Hüftbeugung, -Abspreizung und –Außenrotation) durchgeführt werden, um zur sicheren Diagnose zu gelangen. In den letzten Jahren hat die Kernspintomographie Bedeutung für die Diagnostik erlangt. Sie erlaubt früh eine Aussage über das Ausmaß der Nekrose und über das sog. Containment (s.u.).

Zusätzlich zur Beckenübersichtsaufnahme ist die Anfertigung von Röntgenaufnahmen in sog. Frosch-Position (Lauenstein-Projektion) erforderlich, um die Ausdehnung des Nekrose exakt beurteilen zu können. Die Kernspintomographie (MRT - Magnet Resonanz Tomographie) zeigt einen erkrankten linken Hüftkopf. Der Kopf ist deutlich größer als auf der Gegenseite und die Epiphyse ist abgeflacht und eingedellt. Die Aufhellung im Gelenkspalt kommt durch einen begleitenden Gelenkerguss zustande. - Die helle Struktur in der Mitte des Bildes ist die Harnblase.